Duftwicken - eine kleine botanische Geschichte ...

Wie vieles Gute fing alles im Grunde in Italien an. Der sizilianische Mönch Fra Franciscus Cupani (1657 - 1710) stieß im Rahmen seines Studiums der sizilianischen Flora auf eine Pflanze, die wundervolle zweifarbige schmetterlingsförmige Blüten trug und aufs Schönste duftete. Er kultivierte sie im Klostergarten und verlieh ihr den Namen Lathyrus distoplatyphylos, hirsutus, mollis, mango et peramoeno, flare odoro. Cupani pflegte regen Gedankenaustausch mit anderen Botanikern - unter anderem auch mit einem gewissen Dr. Robert Uvedale aus Enfield, Middlesex in England dem er 1699 einige Samen seiner Wicken-Entdeckung sandte. Zwischen 1699 und 1870 tauchten in England einige neue Züchtungen auf. 1793 beschreibt ein Saathändler auf der Fleet Street in London immerhin schon fünf unterschiedliche Wickensorten.

Im Jahr 1888 tritt ein gewisser Henry Eckford auf die Wicken-Bühne. Eckford, der bis zu seinem 65 Lebensjahr als Gärtner beschäftigt war, widmet sich im Alter in seinem eigenen Saatzuchtbetrieb in Wem in der Grafschaft Shrophire ausschließlich der Zucht der schönsten, farbigsten Duftwicken. Henry Eckford verdanken wir einen Großteil der Duftwickensorten die heute noch angepflanzt werden.

 

 

 

Henry Eckford

Seine Züchtungen sind nicht nur ein Spaziergang durch den Farbfächer sie zeichneten sich durch besonders große Blüten (daher nennt man sie auch Grandiflora-Sorten) aus. Heute werden Sie "Heirloom"-Sorten - also "Historische Sorten" genannt. Aus heutiger Sicht sind die Blüten eher kleiner, die Stängel tragen drei - manchmal auch vier Blüten die jedoch immer betörend duften und von umwerfender Eleganz sind.

 

 

 

 

           

       
                     Grandiflora

Den Staffelstab der Duftwicken-Züchtung übergab Henry Eckford an einen Mann namens Silas Cole. Cole, ebenfalls Gärtner, arbeitete bei der Familie Spencer - eben jenen Spencer's deren Tochter viele Jahre später (zu ihrem Glück oder Unglück) den britischen Kronfolger heiraten sollte. Ich habe nachgeschaut - nein, erstaunlicherweise waren in Lady Di's Brautstrauß keine Duftwicken gebunden. Aber zurück zu Silas Cole. Cole baute viele von Henry Eckford gezüchtete Sorten an. 1990 stellte er begeistert fest, das eine seiner Kreuzungen auf einmal eine Sorte hervorbrachte die größere Blüten hatte. Blüten, die zudem wundervoll gewellte, fast rüschige Blütenränder aufwiesen. Eine Mutation? Tatsache ist, das zeitgleich einige andere Züchter ebenfalls diese hübschen gewellten Blüten zwischen ihren Züchtungen fanden.

 

Silas Cole

Seit dieser Zeit nennt man diese - gewellten, großblütigen Sorten "Spencer Type Sweet Peas". Ganz England war wild nach diesen Sorten und jeder Hobbygärtner versuchte sich an der Züchtung neuer Farben - die Sortenvielfalt explodierte. Spencer-Type Duftwicken sind die extravaganten Schwestern der historischen Sorten, ein wenig zickiger und karpriziöser und vielleicht auch ein wenig empfindlicher.

 

 

 

 

 

                              Spencer Type

Wie ernst unsere britischen Nachbarn es mit ihrer Passion für Lathyrus Odoratus meinen, zeigen die vielen "Sweet Pea Exhibitions" die landauf landab stattfinden. Einer der Höhepunkte der Duftwicken-Mannie war aber vermutlich ein Wettbewerb im Juli 1911. Die Zeitung Daily Mail rief damals Amateur-Züchter auf, ihre schönsten Duftwicken einzureichen. Dem Gewinner winkte ein (nicht nur damals) kolossales Preisgeld von 1.000£ - ein Betrag der heute immerhin ungefähr 90.000 £ (um die 104.000 € ) entspräche. Der zweite und der dritte Preis waren mit 100 £  und 50 £ dotiert. Diese Beträge entsprachen 1911 noch immer dem Jahresverdienst eines Arbeiters. Die eingereichten Duftwicken wurden am 28. und 29. Juli im Londoner Crystal Palace ausgestellt. Bei dem ausgelobten Preis verwundert es nicht, das 38.000 Duftwicken zur Beurteilung eingereicht wurden. Der Gewinner dieses sensationellen Wettbewerbs war eine Mrs. Fraser aus dem schottischen Sprouston. Die Blumen (gemäß der Vorgabe genau 12 Stängel die in einer Glasvase angeordnet sein mußten) waren zwar von ihrem Gatten, einem Pfarrer, gezüchtet worden. Mr. Fraser hatte aber (was erlaubt war) einen Strauß in seinem, und einen im Namen seiner Gattin eingereicht. Der Strauß den er auf seinem Namen einreichte, gewann dann auch noch den dritten Preis.  Ein "Sweet-Pea-Jackpot"!

Heute kann man noch immer den Daily Mail Cup gewinnen. Es ist der erste Preis in der jährlich von der National Sweet Pea Society ausgrichteten Sweet-Pea Competition. Leider kann man mit der Teilnahme nicht mehr so sagenhaft reich werden wie die Sprouston's. Der erste Preis ist mit 25 £ dotiert - aber nun ja - die Ehre zu gewinnen kann sowieso nicht mit Geld aufgewogen werden.

 

Bei den meisten Duftwickensorten die in England zwischen Liebhabern getauscht und gehandelt werden ist immer auch ihre Eignung als "Exhibition Flower" vermerkt. Damit könnten Sie ja einmal einen privaten Wettbewerb starten....

Die "Sweet Pea Society" empfiehlt: Die vermutlich besten Methoden um prachtvolle Duftwicken zu ziehen ...

 

Die einfache Methode:

 

Säe die Samen einfach zwischen März und April an dem Ort aus (doppelte Samentiefe), an dem sie im Sommer in aller Pracht stehen sollen und lasse sie in Ruhe. Im Juli sollten dann die ersten duftenden Blüten erscheinen.

 

Wer die Samen bereits im Herbst oder Winter sät (Oktober bis Februar) erhält stärkere und früher blühende Pflanzen.

 

Die komplizierte Methode:

 

Fülle kleine Vorzuchttöpfe (am besten schlanke, hohe ) mit komposthaltiger Erde. Lege 1 Samenkorn in einen Vorzuchttopf und bedecke das Samenkorn locker mit ca. 1 cm Erde. Drücke die Erde NICHT an, sondern wässere den Topf gut mit einem weichen Wasserregen aus der Gießkanne. Lass die Erde sich setzen und stelle die Anzuchttöpfe in ein Kalt-Gewächshaus oder an einen anderen geschützten, kühlen Ort im Garten. Beschütze die Saat vor Schnecken und Mäusen.

 

Manche Menschen weichen die Saat vor der Aussaat eine Nacht in Wasser ein oder ritzen die Saatkörner mit einer scharfen Klinge an - wir konnten nicht feststellen das dies das Wachstum der Wicken fördert (es gibt hier nur ganz wenige Ausnahmen) in der Regel schadet diese Behandlung der Keimung eher. Wer die Saat dennoch einweichen will sollte dies für maximal 4 Stunden vor der Aussaat tun.

 

Einige Mitglieder der Sweet Pea Society schwören darauf die Saat in einem feucht-warmen Umfeld vorzuziehen.

 

Es gibt auch Mitglieder, die die Saat vorab mit Bio-Stimulanzien oder Fungiziden behandeln. Auch dies erscheint nicht notwendig - ist aber möglich.

 

Die Samen benötigen ein wenig Wärme um zu keimen. Wer die Wicken in einem Gewächshaus vorzieht sollte darauf achten die kleinen Pflanzen an die Kälte zu geöhnen sobald sie durch die Erde stoßen. Sonst erhält man spargelige und schwache Triebe.

 

Wicken sind lichtliebend. Gönnt ihnen soviel Licht und Sonne wie möglich.

 

Die Setzlinge:

 

Wicken-Setzlinge kommen mit leichtem Frost gut klar und können an sonnigen Tagen gut schon einmal aus dem Glashaus gestellt werden.

Falls die Temperatur unter -5 Grad Celsius sinkt benötigen die Pflänzchen extra Schutz. Wärmt die Pflänzchen mit Blättern, Reisig oder Sackleinen.

 

Gelegentlich gibt es Pflanzen die partout keine Seitentriebe bilden wollen - bei diesen sollte man die Spitzen abknipsen um sie zum Treiben von Seitentrieben zu ermutigen. Ansonsten sollte man die Pflanze einfach ihren eigenen Weg finden lassen und die Triebspitzen nicht ausbrechen.

 

Haltet eure Wickensetzlinge bei trockenem Wetter feucht. Sie tolerieren Frost besser wenn sie feucht gehalten werden.

 

Denkt rechtzeitig über Rankhilfen nach. Wicken sind starke Ranker. Wenn sie nicht durch Hekcen oder Gitter wachsen benötigen sie Rankhilfen.